Das ausgegrenzte Andere

Vortrag am Freitag, 21. Juni 2019, Thun (CH)

Das Feld der Prostitution bzw. der ‚sexuellen Dienstleistung’ ist bis heute eine umstrittene Grauzone des Sozialen geblieben, die vor allem als ein Problem wahrgenommen wird und deshalb immer wieder starke Kontrollbedürfnisse hervorruft. Konkrete Maßnahmen zielen dabei insbesondere auf eine räumliche Regulierung des Geschehens. Eine Unterscheidung von ‚Toleranzzonen’ und ‚Sperrgebieten’, in denen der Straßenstrich oder die Führung von Bordellbetrieben z.B. erlaubt oder aber verboten sind, soll dafür sorgen, dass das ‚normale’ Alltagsgeschehen durch die als ‚anormal’ wahrgenommene Prostitution nicht gestört bzw. gefährdet wird.

Der Vortrag widmet sich der Frage, weshalb die Prostitution trotz deutlicher Tendenzen einer zunehmenden Anerkennung und Legalisierung auch weiterhin vor allem ausgegrenzt wird. In historischer Perspektive werden heutige Kontrollmechanismen dabei nicht nur als Reaktionen auf allgemeine Verunsicherungen im Zuge eines rasanten Städtewachstums im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts verdeutlicht, sondern vor allem auch Zusammenhänge mit der zeitgleich sich herausbildenden bürgerlichen Geschlechterordnung aufgezeigt.

21.6.2019; 19.30 Uhr
Kirchgemeindehaus
Frutigengasse 22
CH 3600 Thun